9 Punkte! 11 Gegentore! GerryG gegen den Verband! Und in Hasselt riecht es nach Ärger!
Brüssel – Was für ein erster ZAT! Drei Spieltage sind absolviert und die belgische Liga hat bereits mehr Gesprächsstoff produziert als mancher Verein in einer ganzen Saison. Ganz oben thront KSV Roeselare mit makellosen neun Punkten. Dahinter lauert ein Rudel aus Luxemburg, Hasselt, Westerlo, Jeunesse und Standard.
Doch während Roeselare jubelt, herrscht andernorts Alarmstufe Rot.
ROESELARE: „DREI SPIELE? DREI SIEGE!“
Wer soll KSV Roeselare eigentlich stoppen?
Erst wurde Royale Union Saint-Gilloise mit 1:0 bezwungen, dann Club Brugge mit 2:1 niedergerungen und zum Abschluss musste Standard de Liège beim 2:5 die Heimreise antreten. Neun Punkte, acht Tore, nur drei Gegentreffer.
Roeselare steht damit völlig verdient ganz oben und hat sich nach dem ersten ZAT bereits einen Drei-Punkte-Vorsprung erarbeitet. Während andere Vereine noch ihre Tabellenplätze suchen, scheint Roeselare schon einmal vorsorglich den Meisterschaftsschal zu bügeln.
LUXEMBURG: ERST KLATSCHE, DANN KLATSCHE – ABER FÜR DIE ANDEREN!
RFC Union Luxemburg ist der erste Verfolger und hat dabei eine bemerkenswerte Achterbahnfahrt hingelegt.
Beim 5:2 gegen KV Mechelen wurde zunächst ordentlich auf den Tisch gehauen. Dann allerdings der Rückschlag: 0:3 bei KVC Westerlo. Doch Union Luxemburg ließ sich davon nicht beeindrucken und zerlegte anschließend RSC Anderlecht mit 4:0.
Sechs Punkte, neun Tore und Platz zwei.
Mechelen und Anderlecht dürften sich derweil fragen, warum ausgerechnet sie als Aufbaugegner herhalten mussten.
HASSELT: SPORTLICH TOP – ABER WAS IST MIT SOLIS?
Und dann wäre da noch Koninklijke Sporting Club Hasselt.
Vor dem ZAT auf Platz zehn. Jetzt auf Platz drei.
Das nennt man wohl Karriere mit Turbolader.
Hasselt schickte zunächst RSC Anderlecht mit 4:0 nach Hause, verlor anschließend 0:3 bei Saint-Gilloise und machte danach mit einem 3:0 gegen Club Brugge wieder alles richtig. Sechs Punkte, sieben Tore, Platz drei.
Eigentlich könnte in Hasselt also eitel Sonnenschein herrschen.
Eigentlich.
Denn über dem Klub schwebt weiterhin die große Frage: Wie stellt man sich dort eigentlich die Zukunft mit Trainer Solis vor?
Solis gilt schließlich nicht gerade als der uneigennützige Samariter unter den Trainern. Der Mann soll angeblich ziemlich genau wissen, was er wert ist – und was er dafür haben möchte.
Nun ist die Vereinsführung gefragt: Will Hasselt mit dem gierigen Solis in die Zukunft? Oder kommt irgendwann die Erkenntnis, dass selbst ein Tabellenplatz drei nicht jede Gehaltsforderung rechtfertigt?
Solis liefert jedenfalls Ergebnisse. Und Ergebnisse machen Trainer bekanntlich teuer.
ANDERLECHT: 0:4, 7:0, 0:4 – GERRYGs EMOTIONALER DREIKAMPF
Bei RSC Anderlecht dürfte man dagegen schon nach drei Spieltagen ziemlich gereizt sein.
Zum Auftakt gab es ein 0:4 in Hasselt. Dann folgte gegen Jeunesse d'Esch ein unglaubliches 7:0. Man hätte also meinen können: Krise beendet.
Denkste.
Danach reiste Anderlecht nach Luxemburg und bekam von Union gleich das nächste 0:4 eingeschenkt.
Drei Spiele, drei Punkte, sieben eigene Treffer, acht Gegentore und nur Platz acht.
Und mittendrin: GerryG.
Der Mann an der Anderlechter Seitenlinie dürfte sich inzwischen fragen, ob seine Mannschaft eigentlich Fußball spielen oder ihn testen möchte.
Doch GerryG hat offenbar noch ein weiteres Problem entdeckt: die Liga selbst.
Der Vorwurf steht im Raum: Korruption!
Der Verband reagiert prompt und unmissverständlich:
„Es gibt keine Korruption in der Liga.“
Damit GerryG aber trotzdem weiß, wo die Verbandszentrale steht, soll dort künftig ein Männeken Piss aufgestellt werden.
Man darf wohl davon ausgehen, dass dies die Kommunikation zwischen GerryG und dem Verband nachhaltig verbessern wird.
CLUB BRUGGE: DREI SPIELE, DREI NIEDERLAGEN!
Wenn man wissen möchte, wie man einen Saisonstart möglichst schmerzhaft gestaltet, könnte Club Brugge KV derzeit Anschauungsunterricht geben.
0:1 gegen Standard.
1:2 gegen Roeselare.
0:3 gegen Hasselt.
Null Punkte. Ein Tor geschossen. Sechs kassiert. Platz neun.
Club Brugge hat damit sogar das Kunststück geschafft, vom fünften Tabellenplatz auf den neunten Rang abzurutschen.
Besonders bitter: Ausgerechnet Hasselt, das vor dem ZAT noch hinter Club Brugge lag, zog nach dem 3:0 locker vorbei.
In Brügge dürfte man deshalb momentan nicht unbedingt die Champagnergläser polieren.
Mechelen: VOM ZWEITEN PLATZ DIREKT IN DEN KELLER
Noch dramatischer ist die Situation bei KV Mechelen.
Vor dem ZAT stand Mechelen auf Rang zwei.
Jetzt steht der Klub auf Rang zehn.
Null Punkte. Drei Spiele. Zehn Gegentore.
5:2 gegen Mechelen gewann Union Luxemburg.
2:1 setzte sich Standard durch.
3:0 schlug Westerlo zu.
Damit ist Mechelen das einzige Team, das nach drei Spieltagen noch keinen einzigen Punkt gesammelt hat.
Während Union Luxemburg oben mitmischt, darf Mechelen also bereits den Taschenrechner herausholen.
JEUNESSE: 5:0, 0:7, 5:4 – HAT JEMAND DIE ABWEHR GESEHEN?
A.S. La Jeunesse d'Esch ist dagegen das wandelnde Chaos.
5:0 gegen Westerlo.
0:7 gegen Anderlecht.
5:4 gegen Saint-Gilloise.
Zehn eigene Tore! Aber elf kassierte!
Sechs Punkte reichen trotzdem für Platz fünf.
Die gute Nachricht: Jeunesse kann offensichtlich Tore schießen.
Die schlechte Nachricht: Der Gegner darf das offenbar auch.
Wenn Jeunesse d'Esch so weitermacht, brauchen Zuschauer künftig keine Eintrittskarte mehr – sondern einen Blutdrucksenker.
WESTERLO: EINMAL 0:5, DANACH ZWEIMAL 3:0
KVC Westerlo hat derweil eindrucksvoll bewiesen, dass man einen katastrophalen Auftakt nicht unbedingt zum Saisonproblem werden lassen muss.
Nach dem 0:5 bei Jeunesse folgten zwei 3:0-Siege gegen Union Luxemburg und Mechelen.
Sechs Punkte und Platz vier sind das Ergebnis.
Westerlo hat damit ebenso viele Punkte wie Hasselt, Union Luxemburg, Jeunesse und Standard – und darf sich angesichts der Torbilanz sogar ein wenig als heimlicher Gewinner des ZAT fühlen.
STANDARD: SOLIDE, ABER ROESELARE WAR ZU GUT
Standard de Liège startete mit einem 1:0 gegen Club Brugge und legte anschließend ein 2:1 bei Mechelen nach.
Dann aber kam Roeselare.
2:5.
Standard steht mit sechs Punkten auf Platz sechs und bleibt damit in Reichweite der Spitze. Doch die Niederlage gegen den Tabellenführer zeigte auch: Wenn Roeselare ernst macht, kann es unangenehm werden.
SAINT-GILLOISE: EINMAL HUI, ZWEIMAL PFUI
Royale Union Saint-Gilloise erwischte ebenfalls keinen Traumstart.
0:1 bei Roeselare, danach ein überzeugendes 3:0 gegen Hasselt und schließlich ein spektakuläres 4:5 bei Jeunesse.
Drei Punkte, Platz sieben.
Saint-Gilloise ist damit weder Fisch noch Fleisch – aber immerhin deutlich näher an Europa als an Mechelen.
DAS TABELLENBILD NACH ZAT 1
Oben hat Roeselare mit neun Punkten erstmal die Pole Position.
Dahinter beginnt das große Gedränge: Union Luxemburg, Hasselt, Westerlo, Jeunesse und Standard haben allesamt sechs Punkte.
Dann folgt Saint-Gilloise mit drei Zählern.
Anderlecht ebenfalls mit drei.
Club Brugge und Mechelen dagegen stehen mit null Punkten ganz unten.
Und genau deshalb könnte der nächste ZAT bereits mächtig Druck erzeugen.
Roeselare kann sich absetzen.
Hasselt kann nach ganz oben angreifen.
Union Luxemburg kann den Spitzenreiter jagen.
Anderlecht muss aufpassen, dass GerryG nicht irgendwann einen Dauersitz vor der Verbandszentrale bekommt.
Club Brugge braucht dringend Punkte.
Und Mechelen braucht eigentlich alles.
DIE SCHLAGZEILE ZUM SCHLUSS
ROESELARE AUF MEISTERKURS – SOLIS AUF GELDKURS – GERRYG AUF VERBANDSKURS!
Der erste ZAT hat jedenfalls eines klargemacht:
Diese Saison wird kein Spaziergang. Aber offenbar gibt es in Belgien auch keinen Grund, dabei nüchtern zu bleiben.
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